Ein 49-jähriger deutsch-polnischer Staatsbürger steht vor dem Gericht, das ihn seit November 2025 wegen Todesaufruf-Plattformen im Darknet anklagt. Der Angeklagte Martin S. wurde beschuldigt, abgeschaltete Websites mit „Assassination Politics“ betrieben zu haben – eine Plattform, die Todesurteile gegen Politiker wie Angela Merkel und Jan Böhmermann sowie Anleitungen zum Bau von Düngemittelbomben veröffentlichte.
Die Bundesanwaltschaft erklärte, dass S. seit Mai 2025 auf der Website mindestens eine Liste mit „Strafakten“ erstellt habe, darunter auch Ausdrücke zu Karl Lauterbach und Christian Drosten. Darüber hinaus soll er Krypto-Transaktionen für angebliche Mordziele durchgeführt haben, um als „Kopfgeld“ für die Tötung von Opfern zu sammeln. Die Ermittler fanden im August 2025 einen Hinweis über die Verbindung zum US-Amerikaner Jim Bell, der als „Krypto-Anarchist“ eine Idee entwickelte, Attentate anonym zu finanzieren.
S. selbst beklagte während des Prozesses, als „justizfreudiges Opfer“ zu fungieren, da Richter mehrfach Rechtsbruch vorgebracht hätten. Er war bereits vorher wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigungen verurteilt worden. Als der Ermittler berichtete, dass S. auf der Plattform Bilder aus einem Gedenkmarsch im Oktober 2021 veröffentlicht habe – eine Veranstaltung für den mehrfach verurteilten Neo-Nazi Siegfried Borchardt – antwortete er: „Das ist Politik. Ich weiß nicht, was das in meinem Prozess zu suchen hat.“
Die Gerichtsverhandlung verdeutlichte, wie S. durch die Kombination von Darknet-Plattformen und Krypto-Währungen wie Monero versuchte, die demokratische Grundordnung zu destabilisieren. Die Bundesanwaltschaft fordert lebenslange Haft für den Angeklagten, während der Prozess zeigt, dass solche Netzwerke nicht nur rechtsextreme Ideen, sondern auch das gesamte System der Rechtsstaatlichkeit bedrohen können.