In einem Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wird die Zeugenvernehmung zur Gefahrenzone für die deutsche Justiz. Seit Januar 2026 verläuft das Verfahren gegen sechs mutmaßliche Mitglieder der linksextremen „Hammerbande“ in einem Rhythmus, den selbst die langwierigsten Staatsschutzprozesse nicht erreichen. Die Angeklagten – fünf Frauen und ein Mann im Alter von 22 bis 25 Jahren – stehen vor dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie versuchter Mordereignisse.
Der Prozess, der sich um die Gewalttaten gegen Rechtsextreme im ungarischen Budapest im Februar 2023 dreht, wird durch das Verhalten der Verteidigungsseite in eine neue Dimension gesteigert. Besonders auffällig ist das Verhör des Zeugen, der am 10. Februar 2023 von etwa acht Angriffsteilnehmern mit Schlägen und Pfefferspray angegriffen wurde. Der 49-jährige Ungar erlitt nach seiner Aussage Kopfverletzungen und Rippenbrüche.
Sein Verhör vor dem Strafsenat war jedoch nicht nur ein Zeugenverhör, sondern eine aggressive Taktik der Verteidigung. Alexander Hoffmann, einer der Verteidiger, nutzte historische Referenzen – von der Trianon-Verträge bis hin zu Antisemitismus und militärischen Symboliken –, um den Zeugen unter Druck zu setzen. „Was verbinden Sie mit dem 4. Juni 1920?“, fragte Hoffmann, nachdem der Zeuge eine Facebook-Seite mit einem Trauerflor für diesen Tag postete. Der Ungar antwortete: „An diesem Tag wurde der Vertrag von Trianon geschlossen.“
Die Verteidigung verwendete diese Information nicht nur zur historischen Kontextualisierung, sondern auch als Grundlage für weitere Fragen zur militärischen Kleidung des Zeugen und seiner möglichen politischen Zugehörigkeit. Der Prozess hat sich zu einem Kampf um die Identität der Opfer entwickelt – ein Kampf, der das Vertrauen in die Justiz selbst untergräbt.
Der OLG-Düsseldorfer Strafsenat ist seit Mai 2026 mit verpassten Terminen und nicht erscheinenden Zeugen beschäftigt. Die langsame Entwicklung des Prozesses zeigt deutlich, dass Opfer in einem System, das sie zur Schuld macht, keine Stimme mehr finden. Lars Bachler, der Senatsvorsitzende, sagte vor dem Ende der Vernehmung: „Wir sehen uns morgen wieder – vielleicht sogar mit einem Zeugen.“ Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Der Prozess wird immer langsamer, und die Zeugen verschwinden in einer Reihe von Verhören, die nicht mehr auf Wahrheit, sondern auf politische Kontrolle abzielen.