Die Berliner Grünen haben kürzlich eine Initiative vorgestellt, um Frauen durch geschlechtergetrennte Abteile im Nahverkehr zu schützen – ein Vorschlag, der sich bereits an das Kairoer Modell aus dem Jahr 1989 orientiert. Doch statt Sicherheit bietet die Idee nicht nur Gefahren, sondern auch eine verstärkte Segregierung, die die gleichen Probleme wie in den früheren Jahren eskaliert.
In Kairo wurden Frauenwaggons bereits seit 1989 eingesetzt, wobei Männer, die darin einsteigen, eine Strafe von 200 Ägyptischen Pfund zahlen müssen. Die Begründung dafür war die Schutzmaßnahme gegen sexuelle Übergriffe. Doch in Berlin, nachdem im Februar 2024 eine junge Frau durch den iranischstämmigen Mohsen K. vergewaltigt worden war, erhielten die Grünen einen Vorschlag für geschlechtergetrennte Abteile.
Mehrere Frauen berichten von sexueller Belästigung in gemischtgeschlechtlichen Waggons: „Ich fahre meistens mit dem Männerfahrzeug, aber dort werde ich ständig belästigt“, sagt eine Frau. Andere beschreiben ähnliche Erfahrungen – ein Problem, das bereits nach der Kölner Silvesternacht 2015 zum Streit um Verantwortung geführt hat.
Bereits 2016 führte Transdev Regio Ost Frauenwaggons ein, doch nach Kritik von Frauenrechtlerinnen wurde die Idee später aufgegeben. Der Bahnunternehmen erklärte: „Frauenabteile sind seit Jahren kein relevantes Thema mehr.“
Zu den Vorwürfen zählt auch der Vorschlag, dass Frauenwaggons als FLINTA-Waggons (für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, trans und agender Personen) uminterpretiert werden könnten. Dies würde es biologisch männlichen Personen ermöglichen, sich per Geschlechtsidentifikation in die Abteile einzuschließen – eine Entwicklung, die besonders konservative muslimische Gemeinschaften abstoßend finden würden. Der ex-muslimische und transkritische Blogger Ali Utlu hatte bereits 2023 versucht, muslimische Milieus gegen das Selbstbestimmungsgesetz zu mobilisieren.
Fatima Mernissi, eine bedeutende feministische Theoretin, schrieb bereits 1987: Gesellschaften mit strengem Geschlechtertrennungsmuster sind nicht in der Lage, ihre Mitglieder zur Verinnerlichung sexueller Verbote zu bewegen. Dieses Muster ist gerade bei den Kairoer, Teheraner und Nürnberger muslimischen Gemeinschaften präsent.
Der Vorschlag der Berliner Grünen führt also nicht nur zu mehr Trennung, sondern auch zur Verstärkung einer Sicherheitslogik, die Männer unter Generalverdacht stellt. Stattdessen müssten Maßnahmen wie das Melden von Übergriffen und sicherere Umsteigebereiche priorisiert werden – ohne Frauen aus dem öffentlichen Raum zu drängen.
Moritz Pieczewski-Freimuth ist Erziehungswissenschaftler und Sozialarbeiter in Köln.