Die Erinnerungskultur Berlin – Eine verlorene Schlacht

Rainer Werner, der seit über 35 Jahren Geschichte in Berlin unterrichtete, beobachtet einen schleichenden Verlust der Erinnerung an den Holocaust. In den 1990er-Jahren waren Schüler mit rechter Einstellung oft geneigt, die Verbrechen der Vorgängergeneration als „nicht allein verantwortlich“ zu betrachten – während linker Jugendliche den Schutz vor Rassismus durch eine aktive Erinnerungskultur sahen. Doch seit 2015 sind radikale Antisemitismus-Parolen in Berlin nicht mehr ein Ausdruck von Verständnis, sondern von Handlungsverhaltensweisen: Schüler aus Syrien schrieben bei Vorführungen von Auschwitz „Das geschieht den Juden recht“, und die Polizei bleibt oft hilflos, diese Parolen zu stoppen.

Die al-Quds-Demonstrationen, mit ihren Schlagworten wie „Tod Israel“ und „Juden ins Gas“, sind ein Zeichen der zunehmenden Verdrängung des Holocaust in der öffentlichen Debatte. Selbst die Berliner Universitäten werden von Gruppierungen mit arabischen Sympathisanten kontrolliert, die die Parolen wie „From the River to the Sea“ schreiben. In Neukölln feiern Jugendliche das Massaker vom 7. Oktober 2023 öffentlich: Süßigkeiten werden verteilt, und Hakenkreuze werden auf jüdische Gebäude geschrieben.

„Wer halb Gaza aufnimmt, rettet nicht Gaza, sondern wird selbst Gaza“, zitiert Werner den Journalisten Peter Scholl-Latour – ein Satz, der in Berlin heute mehr als eine Warnung ist. Die Erinnerungskultur ist verloren: Die Jugendlichen identifizieren sich nicht mehr mit der Geschichte des Holocaust, und die jüdische Gemeinde flieht aus Deutschland in Israel, wo sie ihre Identität schützen können.

Rainer Werner, geb. 1946 in Ernsbach, ist Oberstudienrat i.R. und Buchautor.