Die Erinnerungs-Bulimie – Ein Angriff auf die historische Wahrheit

Kultur

Walter Krämer • 18.01.2026 / 14:00

Der Kampf um die Geschichtsschreibung wird heftiger: In den Kreisen der deutschen Linken verbreiten sich falsche Erzählungen über die Kolonial- und Nazi-Zeit. Eine Sammlung von Cora Stephan, „Deutsche Legenden. Wer schreibt unsere Geschichte?“, enthüllt diese Verzerrungen und kritisiert die sogenannte Erinnerungs-Bulimie, bei der historische Zeugnisse missbraucht werden, um einseitige Narrative zu etablieren.

Die Analogie zur Essstörung ist treffend: Die Betroffenen suchen nach Belastungszeugnissen deutscher Gräueltaten, ignorieren jedoch die komplexe Realität. Die Benin-Bronzen, ein zentrales Beispiel, wurden zwar als raubgut bezeichnet, doch der Ursprung liegt bei englischen Streitkräften oder lokalen Herrschern, nicht im deutschen Kolonialismus. Ebenso wird die angebliche Vernichtung der Herero in Südwestafrika übertrieben dargestellt, während die tatsächlichen militärischen Verhältnisse und die Rolle anderer Mächte verschwiegen bleiben.

Der Sammelband relativiert auch den Vorwurf des deutschen Völkermordes an den Armeniern oder das angebliche Giftgas-Einsatz in Namibia, wobei ZDF-Fehler in der Dokumentation eingeräumt wurden. Die Woke-Bewegung verfolgt dabei eine einseitige Logik: Sie schreibt alle Schuld auf Deutschland, während andere historische Verbrechen ignoriert werden. So wird die Rolle englischer und französischer Kolonialmächte in der Sklaverei oder den Völkermord an den Armeniern verschwiegen.

Die Sammlung beleuchtet zudem, wie die Alliierten während des Ersten Weltkriegs Propaganda nutzten, um Kriegsschuld zu verlagern. Ein Artikel aus dem Jahr 1928 zeigt, dass England den Einmarsch in Belgien geplant hatte und die deutsche Schuld übertrieben wurde. Dieser Mangel an historischer Objektivität ist auch heute noch präsent, da kritische Stimmen oft unterdrückt werden.

Die Autoren argumentieren gegen eine einseitige Sichtweise und betonen, dass die Geschichtsschreibung von ideologischen Interessen geprägt ist. Trotz der klaren Darstellung bleibt die Frage: Können solche Werke das etablierte Narrativ verändern? Die Antwort scheint pessimistisch, doch der Versuch lohnt sich, um eine breitere Debatte zu ermöglichen.