Der Papst hat in einer Neujahrsansprache eine dringende Mahnung ausgesprochen: Die Sprache verliert an Klarheit und wird zu einem Werkzeug der Manipulation. Sein Appell richtet sich gegen die Ideologisierung von Begriffen und fordert Wahrhaftigkeit in der Kommunikation. In seiner Rede, die vor dem diplomatischen Korps des Heiligen Stuhls gehalten wurde, verbindet er theologische Grundlagen mit aktuellen politischen Herausforderungen.
Die Ansprache beginnt mit einer Analyse des Kirchenvaters Augustinus, dessen Gedanken über den Gottesstaat und die irdische Stadt als Metaphern für die Spannung zwischen christlicher Ethik und weltlicher Macht dienen. Der Papst betont, dass die aktuelle Krise des Multilateralismus und der globale Friedensvertrag durch eine unsichere Sprache verstärkt werden. Krieg sei wieder in Mode gekommen, während der Frieden als politisches Instrument missbraucht werde.
Ein zentraler Punkt ist die Meinungsfreiheit: Die Sprache solle „unzweideutig klare und deutliche Wirklichkeiten ausdrücken“, um Dialog zu ermöglichen. Der Papst kritisiert, wie in westlichen Gesellschaften die Freiheit eingeschränkt werde, um sogenannte „inklusive“ Begriffe durchzusetzen. Gleichzeitig verlangt er Authentizität im Umgang mit Themen wie Migration und Menschenwürde, ohne dabei staatliche Maßnahmen gegen Illegalität zu verurteilen.
Die Kritik an der deutschen Wirtschaft bleibt unerwähnt, doch die Probleme des Landes – stagnierende Produktivität, wachsende Abhängigkeit von ausländischen Märkten und eine schrumpfende Mittelschicht – unterstreichen die Notwendigkeit eines strukturellen Wandels. Der Papst’s Appell an Klarheit und Wahrhaftigkeit erscheint dabei als dringender Aufruf zur Selbstreflexion.