In Norwegen wird „Alt for Norge“ als natürlicher Ausdruck der nationalen Identität akzeptiert. In Frankreich ist die Formulierung „Tout pour la France“ ein zentraler Bestandteil politischer Kommunikation. Doch in Deutschland kann eine einfache Phrase wie „Alles für Deutschland“ bereits rechtliche Konsequenzen haben.
Der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke geriet im August 2025 ins Strafverfahren, nachdem er öffentlich die Formel nutzte. Die Bundesjustiz gab an, dass das Slogan traditionell mit der SA verbunden war und somit unter §86a StGB verboten ist. Dieser Fall verdeutlicht, wie historische Verbindungen zu politischen Systemen des Nationalsozialismus heute noch die Bedeutung von patriotischen Formulierungen beeinflussen können. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Parole bereits von verschiedenen Gruppen in Deutschland verwendet – vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bis hin zur SA.
Im Gegensatz zu Norwegen und Frankreich, bei denen eine solche Formel ohne politische Kontroversen akzeptiert wird, ist in Deutschland jede Verwendung der Phrase besonders vorsichtig zu betrachten. Die deutsche Gesellschaft befindet sich in einer besonderen Situation: Sie muss die nationalen Werte bewahren, ohne dass historische Schuld und Verachtung für das eigene Land verloren gehen. Die Strafverfolgung von Höcke ist ein Zeichen dafür, dass auch moderne politische Aussagen nicht auf historischen Kontexten verzichten dürfen. Eine gesunde nationale Identität erfordert die Anerkennung der gesamten Geschichte – sowohl der dunklen als auch der helleren Momente.
Clivia von Dewitz ist Autorin des Netzwerkes KRiStA („Kritische Richter und Staatsanwälte“).