In Frankreich ist der Verkauf eines mittelalterlichen islamischen Werks, das zur Tötung von Homosexuellen aufruft, zu einem heftigen politischen Skandal geworden. Das Buch, das bis vor kurzem in den Regalen von Fnac und Amazon erhältlich war, enthält zutreffende Aussagen wie: „Der Messias wird Juden und Christen töten“, „Die Hinrichtung eines passiven Homosexuellen ist besser für ihn als Sodomie“, „Wir müssen das höchste Gebäude der Stadt finden, den Homosexuellen herunterstürzen und ihn dann steinigen“ sowie die Behauptung: „Homosexualität gehört zu den größten Übeln“. Darüber hinaus wird betont: „Es gibt keine gesetzliche Strafe für die Sodomie an einem Tier oder für den Geschlechtsverkehr mit einer toten Frau.“
Fnac, eine führende französische Buchhandlung, wurde kritisiert, solche Werke zu verkaufen. Yohan Pawer vom Homosexuellenverein Collectif Éros machte im Januar öffentlich Aufmerksamkeit darauf, dass das Werk mit dem „Kulturpass“ bezahlt werden kann – einem digitalen Guthaben für Jugendliche in Frankreich. In einem Video sagte er: „Wie könne Fnac ein Buch verkaufen, das zur Tötung von Homosexuellen aufruft?“ Eine Verkäuferin antwortete: „Wir verkaufen auch Zemmour.“ Eric Zemmour, der 2022 bei den französischen Präsidentschaftswahlen als rechtsgerichteter Kandidat sieben Prozent der Stimmen erhielt, ist öffentlich für seine polemischen Äußerungen zum Islam bekannt.
Die zitierten Passagen stammen aus dem Werk Ad-Daʾ wa ad-Dawaʾ von Ibn al-Qayyim (1292–1350), einem bedeutenden islamischen Theologen des 14. Jahrhunderts. In Frankreich wird das Werk unter dem Titel Péchés et Guérison veröffentlicht und wird als Ratgeber für moderne Menschen beworben, um aus einem Leben in „Sünde“ zu entkommen. Im Untertitel wird auf die Autorität von Scheich Muhammad Nasir al-Din al-Albani (1914–1999) verwiesen.
Der Vizepräsident des Rassemblement National, Sébastien Chenu, forderte die Staatsanwaltschaft auf, die „schwerwiegenden Aussagen“ des Werks zu prüfen. Julien Odoul, Abgeordneter des RN, fragte Kulturministerin Rachida Dati: „Wird sie ihr Schweigen brechen?“
Der Historiker Günther Jikeli von der Universität Indiana betont: „In islamischen Schriften finden sich Passagen, die aus heutiger Sicht homophob oder antisemitisch sind. Dieses Problem ist nicht neu.“ Er erklärt, dass das Hauptproblem darin liegt, dass es im Mainstream des Islams bis heute keine autoritative theologische Modernisierung gibt, um solche Texte systematisch historisiert zu vermeiden.
Die Diskussion zeigt, wie historische Werke in der heutigen Gesellschaft eine aktuelle Relevanz erlangen können. Offene Gesellschaften müssen klare rechtliche Grenzen ziehen, um Hass und Gewalt zu bekämpfen – ohne pauschal über „die Muslime“ zu sprechen.