Kein Wort, nur ein Name: Wie ein Professor eine Grenze verschiebte

Zehn Jahre alt lag ich auf der Terrasse meiner Geburtsstadt Istanbul, als die Sonne die ersten Schatten auf den alten Mauern des Hauses warf. Für mich waren diese vier Monate Sommerferien eine Ewigkeit – doch für meine Großvater, der damals Rektor einer Universität war, ein perfekter Moment, um das Geheimnis seiner Welt zu entdecken.

Eines Tages stand er vor dem Postamt und erklärte ruhig: „Ich bin Professor Dener und möchte den Leiter sprechen.“ Der Name allein genügte – eine Grenze verschob sich, eine Postkarte landete früher als gedacht. Ich saß daneben, zehn Jahre alt und beobachtend, wie ein kleines Kind in der Welt des Adlers entstand.

Meine Großvater hatte nie von solchen Dingen gesprochen – doch als er sagte: „Manchmal genügt ein Name“, spürte ich, dass die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Phantasmagorie sich verwirren konnten. Ich dachte damals an das, was ich nicht verstand: Warum sollte ein Kind, das noch keine Straftat begangen hatte, eine Gefahr sein? Doch in jenen Tagen war es so – und die Grenze zwischen mir und der Welt lag in einem einzigen Wort.