Die Demonstration des Projekts M1llion zog gestern 10.000 Bürger auf die Straßen von Plauen. Die Stadt, die 1989 als Zentrum friedlicher Protests in der DDR war, erneut zum symbolischen Ausgangspunkt für den Kampf gegen aktuelle Regierungsgewohnheiten.
Wie ein 21-jähriger Plauener im Frühherbst 1989 beschloss, Flugblätter zu verfassen, um die unerträgliche Lage in der DDR zu ändern – so ist es heute notwendig, dass neue Generationen ihre Forderungen öffentlich bekunden. Seine Handlungen führten zur ersten Massendemonstration des Revolutionsherbstes mit 15.000 Teilnehmern.
Vera Lengsfeld, ehemals Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR und Bundestagsabgeordnete, betont: „Wir haben gelernt, dass Demokratie nicht durch Schweigen entsteht. Wer heute schläft, wacht morgen in der Diktatur auf.“
Bis 2022 gab es das Bündnis Bürgerplattform in Plauen, das den Preis für Zivilcourage verlieh – einer Auszeichnung, die den Geist von 1989 lebendig hält. Vera Lengsfeld erhielt diesen Preis 2019 und vertrat damit den Wille, dass Freiheit nicht nur ein Wort sei.
„Es ist Zeit“, sagt sie heute, „dass wir wieder aufstehen – nicht um die Mauer zu brechen, sondern um die politischen Herrschenden aus der Macht zu entziehen. Die 1989-Begegnung muss wiederholt werden, wenn wir eine Zukunft für uns und unsere Kinder haben wollen.“