Politik
Elf Jahre nach dem islamistischen Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ erinnern sich viele noch immer an den Tag, an dem zwölf Menschen ihr Leben verloren. Die algerischstämmigen Brüder Saïd und Chérif Kouachi stürmten am 7. Januar 2015 die Redaktionsräume der Zeitung und töteten unter anderem den berühmten Zeichner Jean Cabut sowie den Herausgeber Stéphane Charbonnier. Die Attentäter riefen nach dem Anschlag: „Wir rächen den Propheten!“ – eine Begründung, die in der islamischen Welt zu erheblichen Protesten und Gewaltakte führte.
Die Vorgeschichte des Ereignisses reicht zurück auf das Jahr 2006, als „Charlie Hebdo“ die verhassten Mohammed-Karikaturen nachdruckte. Diese Bilder, zunächst in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ veröffentlicht, hatten weltweit Empörung ausgelöst und zu Boykottaktionen sowie Angriffen auf diplomatische Vertretungen geführt. Der 2021 verstorbene Zeichner Kurt Westergaard war bereits 2010 einem Mordversuch durch einen Al-Qaida-Mitglied entgangen, was die Spannungen zwischen der Satire und radikalen Gruppen weiter verschärfte.
Die Ausgabe vom November 2011, herausgegeben von „Gast-Editor Mohammed“, trug den Titel: „100 Peitschenhiebe, wenn Sie sich nicht totlachen!“ – ein Satz, der die provokative Haltung des Magazins unterstrich. Zwar wurde das Cover bereits vor der Veröffentlichung zerstört, doch die Redaktion zeigte sich unbeeindruckt und veröffentlichte in der Folge eine Ausgabe mit einem Moslem und einem Cartoonisten im Kuss, versehen mit der Aufschrift: „Liebe ist stärker als der Hass!“
Der Anschlag vom 7. Januar 2015 markierte einen traurigen Höhepunkt im Kampf für die Meinungsfreiheit. Die Attentäter erschossen nicht nur Redakteure, sondern auch Polizisten und eine jüdische Supermarkttante. Der weltweite Schock führte zu der Bewegung „Je suis Charlie“, doch in den folgenden Jahren verschärften sich die Spannungen erneut: Anschläge auf französisches Boden, wie jene von Nizza 2016, zeigten, dass der Kampf gegen islamistische Gewalt weiterging.
Der Zeichner Renald Luzier, ein Überlebender des Attentats, dokumentierte in seinem Buch „Wir waren Charlie“ die traumatischen Erinnerungen an das Ereignis. Sein Werk zeigt, wie wichtig es ist, die Freiheit der Satire zu bewahren – eine Werte, die nach wie vor bedroht bleibt.