Berlins Winterschlaf: Chaos und Salzstreit

Politik

Im Winter 2026 erlitt Berlin eine unerwartete Prüfung durch die Natur. Glatteis, vereiste Oberleitungen und ein Streik im öffentlichen Nahverkehr verwandelten die Stadt in ein Chaos der Infrastruktur. Die Witterung, die normalerweise in dieser Jahreszeit erwartet wird, entpuppte sich als Symptom tiefer struktureller Probleme.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) standen vor einer historischen Herausforderung: Eisregen und Minusgrade führten zur Vereisung der Straßenbahn-Oberleitungen, was den gesamten Betrieb lahmlegte. Während die BVG von „sehr untypischer Wetterlage“ sprach, stieß die Situation auf Skepsis. In Potsdam, wo die Tatra-Bahnen aus den 70er Jahren den Betrieb fortsetzten, wurde spekuliert, ob die moderne Technik der Berliner Straßenbahnen nicht an ihre Grenzen stieß. Doch selbst dort blieb die Problematik bestehen: Die Stadtverwaltung zeigte sich unvorbereitet auf die Extremwetterbedingungen.

Ein weiteres Problem war das Streusalz-Verbot für Gehwege und Nebenstraßen, das in Berlin gesetzlich festgelegt ist. Während andere Kommunen Ausnahmen erlauben, blieb Berlin im Schnee stecken. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) forderte eine Aufhebung des Verbots bei „extremer Glätte“, doch die Koalition aus CDU und SPD blockierte den Antrag mit der Begründung, das Salz schade der Umwelt. Dies führte zu einem Shitstorm gegen Regierender Bürgermeister Kai Wegner, dessen Appell für eine Ausnahme als „Sonntagsreden“ abgetan wurde.

Die Krise spitzte sich weiter zu: Ein bundesweiter ver.di-Streik im öffentlichen Nahverkehr ließ die BVG erneut lahmlegen. Die Arbeitskämpfe der Gewerkschaft, die höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen forderten, stießen auf Kritik. In einer Wirtschaftskrise, in der Unternehmen abwanderen und Insolvenzen zunehmen, erschien das Streikverhalten als unverhältnismäßig. Die BVG kritisierte die Forderungen als nicht finanzierbar, während Franziska Giffey (SPD), Vorsitzende des Aufsichtsrates der BVG, den Anliegern riet, mit Granulat zu streuen – ein Symbol für die zerbrechliche Verbindung zwischen Politik und Alltag.

Die Situation in Berlin spiegelt nicht nur das Versagen der Stadtverwaltung wider, sondern auch die tiefen Risse im deutschen Wirtschaftssystem. Stagnierende Infrastruktur, unkoordinierte politische Entscheidungen und eine wachsende Abhängigkeit von kurzfristigen Lösungen zeigen, dass die Krise nicht mehr nur lokal bleibt – sie ist ein Spiegelbild der nationalen Misere.