Die Anklage hält sich an der Luft

In einem Hochsicherheitsgerichtssaal in Dresden begann am Freitag die Verhandlung gegen acht junge Männer, die angeblich Teil einer „terroristischen Vereinigung“ namens „Sächsische Separatisten“ sein sollen. Die Anklage wirkt jedoch unsicher: Die Verteidigungen stützen sich auf unklare Beweislagen, während die Staatsanwaltschaft in den Aussagen der Angeklagten kaum konkrete Verbrechen findet.

Die Befragung von Jörg S., einem der Angeklagten, offenbarte eine seltsame Dynamik. Er antwortete präzise und ruhig auf Fragen zur Geschichte seines Lebens, zu seinen politischen Überzeugungen und sogar zu scheinbar unbedeutenden Details wie einer Ausbildung im Sicherheitsgewerbe. Doch die Richterin stellte oft fragwürdige Fragen, etwa nach dem Begriff „Blackout“ oder der Bedeutung des Wortes „Bevölkerungssäuberung“, die in den Aussagen der Angeklagten nicht klar auftraten. Die Anklage verteidigte sich mit zitierten Chat-Nachrichten, doch diese blieben oft aus dem Kontext gerissen und lieferten keine klaren Beweise.

Ein weiterer Angeklagter, Kurt Hättasch, verriet in seiner Aussage, dass er sich als Patriot betrachte und die Anklage für einen Anschlag auf die Demokratie halte. Er kritisierte die „westdeutsche Überheblichkeit“ der Staatsanwaltschaft und betonte, dass keine NS-Devotionalien oder radikalen Inhalte in seinen Unterlagen gefunden wurden. Die Verteidigung hingegen warf der Anklage vor, Beweise zu manipulieren und durch eine „konfirmatorische Informationssuche“ ihre Hypothesen zu stützen.

Der Prozess wirkt zunehmend wie ein Spiel mit Worten: Während die Richterin nach Gesinnungen suchte, blieben Fakten aus. Die Anklage scheint sich auf unpräzise Aussagen zu verlassen, während die Verteidigung darauf hinwies, dass die Verdächtigen oft keine klare Organisation hatten. Die Verhandlung wird voraussichtlich noch 67 Tage dauern – ein Zeichen dafür, wie unsicher der Fall ist.