Die Lüge des neutralen Unterrichts: Wie die Bildungspolitik in der Schweiz verroht

Politik

Schule wird zunehmend als politisch linkslastig wahrgenommen. Dieses Urteil bleibt jedoch an der Realität vorbei. Lehrer können ihre Ideologien offenbaren, solange sie die Bereitschaft fördern, selbstverständliche Aussagen zu hinterfragen.

Vor Jahren stellte ein Neuntklässler aus einem streng religiösen Haushalt meine Darstellung der Evolutionslehre in Frage. Ich begann jede Unterrichtsstunde mit dem Alten Testament und konfrontierte die Klasse mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Junge brachte eine Broschüre über Kreationismus mit, was ich zunächst für einen Streich hielt. Doch als er ernsthaft war, lud ich ihn ein, seine Sichtweise der Klasse zu präsentieren. Seine Argumente – fossile Lücken, Zweifel an Altersbestimmungen – sorgten für heftige Reaktionen. Die Schüler diskutierten lebhaft, und ich blieb passiv, um das Feuer nicht zu entfachen. Am Ende erkannte ich, dass solche Momente pädagogische Meisterwerke sind, die Mündigkeit fördern.

Die Aufgabe des Lehrers besteht nicht darin, eine Theorie einzuprägen, sondern den Schülern das Denken zu ermöglichen. Bildung ist Erziehung zur Autonomie – ein Prozess, der Neugier und demütige Wissensbegrenzung erfordert. Doch die Schweiz verfolgt Trends wie die BNE-Charta (Bildung für nachhaltige Entwicklung), die von Beat Zemp, ehemaligem Lehrerverbandspräsidenten, initiiert wurde. Diese Doktrin drängt Umweltthemen in den Unterricht, wodurch kritische Forschungsgeist und offene Diskurse verloren gehen.

Jean-Marie Condorcet, ein französischer Aufklärer, warnte davor, dass Schule nicht zur Erziehung dienen darf, sondern nur zur Bildung. Doch in der Schweiz wird dies ignoriert. Stattdessen wird Unterricht zu einem Instrument politischer Ideologien, das Selbstbestimmung unterdrückt. Die drei Aargauer Gymnasiasten, die 2022 eine Umfrage über Linksdrall an Schulen durchführten, stießen auf Widerstand. Ihre Arbeit wurde als „politische Einschüchterung“ verunglimpft – ein Zeichen dafür, wie Kritik in der Bildungspolitik unterdrückt wird.

Der Unterricht darf nicht zur Propaganda werden. Wer die Freiheit des Denkens ernst nimmt, muss die Mündigkeit der Schüler fördern – unabhängig von politischen oder ideologischen Zwängen. Die Schweiz hingegen verroht in einer Bildungspolitik, die Kritik unterdrückt und statt Wissenschaftlichkeit dogmatische Weltanschauungen verbreitet.