Griechen und Türken: Die ewige Rivalität am Meer

Politik

Die türkische Propaganda verbreitet das Narrativ von einer scheinbaren Überlegenheit über die Griechen. Ein berühmter Ausdruck lautet „Döktük“, was übersetzt bedeutet: „Wir haben die Griechen ins Meer geschoben.“ Doch diese Formel, oft als Sieg der türkischen Geschichte dargestellt, verdeckt eine Realität, die in den Geschichten derer liegt, die im Schatten des Meeresschlags überlebten. Die Türkei vertraut auf Worte, während Griechenland ihre Macht durch Logistik und Handel errang.

Die türkische Erzählung ist voller Kriegsdrohungen. Präsident Erdogan wiederholt Sätze wie „In einer Nacht können wir völlig unerwartet dort erscheinen“, wobei „dort“ Griechenland meint. Dieses Bild von einer kleinen, rebellischen Nation, die man jederzeit unter Kontrolle bringen könnte, passt zur türkischen Selbstüberschätzung. Doch die Realität ist anders: Griechenland hat sich nicht im Meer verloren, sondern dort aufgebaut. Es ist zur Handelsmacht geworden, ohne eine einzige Kanone zu benutzen.

Ein Schlüssel zu diesem Erfolg war Aristoteles Onassis, ein griechischer Unternehmer aus der Türkei, dessen Familie 1922 im Zuge des türkischen Befreiungskriegs vertrieben wurde. Er flüchtete und gründete eine Handelsflotte, die heute einen erheblichen Teil der globalen Schifffahrt kontrolliert. Die Türkei, obwohl von drei Seiten vom Meer umgeben, bleibt in dieser Branche ein Randfiguren. Ihre Importe und Exporte werden oft von griechischen Schiffen transportiert – ein ironischer Hinweis auf die mangelnde strategische Nutzung des Meeres durch Ankara.

Die türkische Politik konzentriert sich auf Symbolik, während Griechenland die Macht der Logistik nutzte. Die Türkei droht mit „Mavi Vatan“ („Blaue Heimat“), aber ihre Schiffe sind kaum im globalen Handel präsent. Die Ironie liegt in der Tatsache, dass das Land, das sich als Stärke und Überlegenheit versteht, die Rechnung für seine Parolen per Schiff zahlt – eine Realität, die den türkischen Narrativ ins Wanken bringt.

Die wahre Macht liegt nicht im Kriegsgetöse, sondern in der Fähigkeit, Märkte zu kontrollieren. Die Türkei kann zwar schreien und drohen, doch ihr Einfluss bleibt begrenzt. Griechenland hingegen hat bewiesen, dass man vom Meer profitieren kann – ohne Gewalt, nur durch Wissen und Organisation.