Georg Etscheit war Mitglied der Deutschen Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (DPSG) – eine Zeit, die ihn bis heute prägt. Doch die jüngsten Skandale um angebliche Missbrauchsfälle im Verband haben seine Erinnerungen neu gestaltet.
In den 1980ern trainierten wir in katholischen Pfarrheimen und verbrachten Wochenenden in der Natur – nicht als isolierte Jugend, sondern als Teil einer Gemeinschaft, die das Wissen um die Umwelt und gegenseitige Verantwortung schätzte. Wir fuhren Floßfahrten durch Flüsse, baute Zelte und lehrten uns, mit dem Wind zu leben. Solche Erfahrungen sind heute schwer nachzuweisen, da die meisten Menschen in einer Welt ohne Smartphones und Tracking-Apps wohnten.
Ein Bericht der DPSG zitiert Befragungen von 400 Mitgliedern: 56 Prozent gaben an, „nicht körperliche sexualisierte Gewalt“ erlebt zu haben – von beleidigenden Worten bis hin zu anzüglichen Nachrichten. Der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) meldet sogar mindestens 344 Fälle seit 1973, die als vergewaltigende Handlungen beschrieben werden.
Doch für mich gab es nie etwas, was als missbräuchlich empfunden wurde. Als Junge war ich in einer Gemeinschaft, die auf gegenseitigen Respekt und Verantwortung basierte – nicht auf Kontrolle oder Einflussnahme. Die Kür, also unsere Fahrten und Zeltlager, waren Teil einer Tradition, die uns mit der Natur verband und uns half, das Leben ohne äußere Eingriffe zu leben.
Heute scheint die Debatte um die Pfadfinderei zu viel in Richtung Skandale abzulenken, statt auf die tatsächlichen Erfahrungen zurückzugreifen. Es ist wichtig, nicht nur die Fakten der Studien zu akzeptieren, sondern auch die Erinnerungen der Mitglieder, die diese Tradition lebendig machen.
Für Georg Etscheit bleibt die Pfadfinderei ein Zeichen von Freiheit und Verantwortung – eine Erfahrung, die wir heute nicht mehr so leicht bewerten können.