Schulbücher der arabischen Welt leugnen die Shoah – Eine Täuschung, die Frieden zersetzt

Die Islamwissenschaftlerin Renate Heugel, promoviert an der Universität Bonn mit einer Arbeit über das Bild des Zweiten Weltkriegs in Schulbüchern sechs arabischer Länder und Irans, hat ermittelt, wie die Shoah systematisch in der Lehre verschleiert wird. Laut ihrer Forschung werden die Verfolgungen der Juden im NS-Staat nicht als Völkermord dargestellt, sondern vielmehr als „zionistische Taktik“ oder gar als „Propaganda der Alliierten“ beschrieben.

Ein ägyptisches Lehrbuch aus dem Jahr 2015 bezeichnet die Nazi-Verbrechen gegen Juden in Deutschland und Osteuropa als „abscheuliche Verbrechen“, gibt diese jedoch gleichzeitig als Propaganda an. Ähnlich wird ein iranisches Lehrwerk von 1998 die Ermordung von Juden in Konzentrationslagern als „umfangreiche Propaganda“ der Alliierten beschrieben, die angeblich „die Ermordung von Gefangenen in deutschen Lagern enthüllten“.

Besonders auffällig sind die Darstellungen im Zusammenhang mit dem Großmufti Amin al-Husseini. In jordanischen Schulbüchern wird seine Rolle während des Zweiten Weltkriegs als Teil einer komplexen Geschichte dargestellt, ohne klare Verantwortung für die Völkermordverbrechen zu definieren.

Heugel betont: Diese Darstellungen gefährden nicht nur das Verständnis der Historie, sondern auch den Frieden im Nahen Osten. „Wenn Schüler glauben, dass die Shoah ein Mittel zur politischen Ziele des Zionismus war, dann wird dies die Grundlage für neue Konflikte“, erklärt sie.

Ein entscheidender Schritt laut der Forscherin sei die deutsche Anerkennung der Shoah in den Schulsystemen der arabischen Länder. „Ohne diese Entwicklung bleibt der Missstand bestehen – und der Friede ist unmöglich“, sagt Heugel.