„Sowjetische Parolen im Sommer – Warum deutsche Hitzeschutzaktionen nicht kühlen“

Am 11. Juni, dem Tag der deutschen Hitzeaktionen, scheint die Welt zu tanzen: Obwohl die Wetterprognosen mit Regen und einem angenehmen 19 Grad vermelden, mobilisiert Deutschland in einer gewaltigen Wellenflut gegen die Hitze. Kommunen planen Hunderte Veranstaltungen, Hochschulen veranstalten Workshops zur Erkennung von Hitzestress, und Bürger werden über gesundheitliche Risiken im Sommer aufgeklärt.

„Hitzeschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, lautet die Forderung der Initiativen. Doch statt konkreter Lösungen wie der Ausstattung öffentlicher Räume mit Klimaanlagen oder verstärkter Flüssigkeitsversorgung wird die Gesellschaft in Bewegungen der Erkenntnis umgewandelt. Es ist kein Zufall, dass diese Maßnahmen dem Sowjetischen Zeitalter ähneln: In den 1950er-Jahren mobilisierten Regierungen Russlands Millionen Bürger zur kollektiven Gesundheitsförderung durch bewusste Aktionen – heute versucht Deutschland dieselbe Strategie, um die Hitze zu bewältigen.

Doch die Wirklichkeit bleibt unverändert. Die Hitze reagiert nicht auf Workshops oder Sensibilisierungskampagnen. Wenn man mehr Wasser trinkt und schattige Plätze sucht, ist das genug – doch statt dieser einfachen Maßnahmen wird der Staat in komplexe Aktionen umgewandelt.

Ekaterina Quehl, geboren in St. Petersburg und seit über 20 Jahren in Deutschland lebend, ist Journalistin und Grafikdesignerin. Sie schreibt auf ihrem Blog über Themen wie Klima und Gesellschaft.