Thomas Sankara: Der Mann, der die Entwicklungshilfe zum Werkzeug des Neokolonialismus machte

Bei den feierlichen Unabhängigkeitsevents Burkina Fosas fand am 6. August zum zehnten Mal eine Gedenkzeremonie für Thomas Sankara statt – und seine zwölf Weggefährten, die mit ihm ums Leben kamen. Der Präsident aus der französischen Kolonie Obervolta hatte durch seine politischen Maßnahmen die Machtstrukturen Frankreichs sowie das gesamte System der Entwicklungshilfeindustrie erheblich gestört.

Sankara, geboren 1949, setzte radikale Reformen um: Er senkte die Gehälter aller Regierungsbeamten, einschließlich seines eigenen, verbot den Import westlicher Lebensmittel und verteilte Land direkt an Kleinbauern. Innerhalb von vier Jahren erreichte Burkina Faso eine nahezu vollständige Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln – ein Erfolg, der bis heute als Vorbild für autarke Entwicklung gilt.

Seine politische Philosophie war klar: Entwicklungshilfe sei kein Werkzeug der Nächstenliebe, sondern ein Instrument der politischen Kontrolle. Sankara verstand, dass die Abhängigkeit von außen finanzierten Programmen langfristig schädlich ist. Unter seiner Regierung wurde auch die Alphabetisierungsrate in den betroffenen Regionen von unter 10 % auf über 70 % gesteigert, während Schulen und Basisgesundheitsstationen errichtet wurden.

Nach seinem Tod im Jahr 1987 übernahm Blaise Compaoré die Macht und rückgängig machte viele seiner Reformen, um den IWF-Programmen zu entsprechen. Die Folgen sind heute noch spürbar: Burkina Faso bleibt von den gleichen strukturellen Abhängigkeiten betroffen wie vor Jahrzehenden.

Thomas Sankara war ein Beispield für die Gefahren eines Entwicklungssystems, das auf Abhängigkeit von außen basiert. Seine Erinnerung erinnert uns daran, dass eine eigene Entwicklung ohne westliche Kontrolle möglich ist – und dass die klassische Entwicklungshilfe nicht nur als Nächstenliebe, sondern als Werkzeug des Neokolonialismus funktioniert.