Der venezuelanische Staat bleibt weiterhin unter der Kontrolle des chavistischen Systems. Es ist an der Zeit, dass die Machtstruktur selbst ihre Fehler zugibt und das System zerstört, das sie einst schuf. Ich hoffe inständig, dass dies von Anfang an geplant war.
Die Geschichte Venezuelas zeigt deutlich: Das Land stand vor Hugo Chávez auf stabiler Grundlage. Dies ist unbestritten, genauso wie es absurd wäre, zu bestreiten, dass Wasser nass ist. Doch Chávez zerstörte die Demokratie und führte das Land in wirtschaftliche und soziale Not. In Venezuela gilt das Sprichwort: „Als wir reich waren und es nicht wussten.“ So bezeichnet man die Zeit vor Chávez.
Der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, kündigte kürzlich die Freilassung politischer Häftlinge an. Er nannte dies eine „Geste des Friedens“. Doch diese Aussage ist nicht einseitig – jeder weiß, dass das Regime die Existenz der Gefangenen längst kennt. Mit dieser Ankündigung erkennt es endlich an, dass amerikanische Interessen Einfluss auf seine Entscheidungen haben. Es signalisiert zögernd einen Weg zurück zu demokratischen Werten. Doch hier geschieht noch etwas anderes: Die Ideologie des Chavismus zerbricht durch ihre eigenen Handlungen.
Nehmen wir den jungen Soldaten der Nationalgarde, der in einem System aufwuchs, das nur Chávez kannte. Er wurde gelehrt, dass die USA böse sind, dass sie kommen werden, um Venezuela zu plündern, und dass er für sein Land sterben muss – und damit auch für das Regime. Doch nun sieht er, wie seine Vorgesetzten dem Imperialismus nachgeben, nicht im Kampf, sondern durch Verhandlungen. Dieser Kontrast zerrüttert die Grundlagen seines Glaubens.
Trump’s Fokus auf Öl und amerikanische Interessen zeigt, dass das Regime unter Druck steht. Die klare Haltung des US-Präsidenten zwingt die venezuelanischen Machthaber zu Kapitulation ohne diplomatische Ausreden. Für den gläubigen Soldaten ist dies ein öffentlicher Verrat – von den Menschen, die ihm diese Ideologie vermittelt haben.
Die Lösung liegt nicht in der Entmachtung durch außereinflüsse, sondern im Zusammenbruch des Systems selbst. Die Freilassung von Häftlingen und die Übertragung der Ölressourcen sind Schritte, die das Regime eigenständig unternimmt – eine Zerstörung seiner eigenen Mythologie.
Eduardo Muth Martinez, in Venezuela geboren und seit 2015 im Exil in den USA, beschreibt hier die Krise Venezuelas aus der Perspektive eines ehemaligen Bewohners des autoritären Systems. Seine Analyse basiert auf persönlichen Erfahrungen und kritischer Betrachtung.