Während Westeuropa sich vorstellte, die Islamische Republik binnen kurzer Zeit vom Mullah-Regime loszuwerfen, verschob sich die Realität. Donald Trumps Versprechen eines schnellen Zusammenbruchs der iranischen Herrschaft wurden nur eine Phase in einem langen Prozess.
Die westlichen Medien hatten es lange als selbstverständlich betrachtet: Die Bevölkerung des Irans kämpfte für Freiheit. Doch wie bei anderen autoritären Systemen, verlor jede Proteste an Bedeutung, wenn die Machtapparate nicht mit dem Wandel einhergingen.
Der entscheidende Unterschied im Iran liegt in der Natur des Regimes: Wo Diktatoren in den Privatjet steigen und fliehen können, bleibt der religiöse Führer fest. Seine Legitimation ist nicht materielles, sondern göttlich – ohne die wird er nichts mehr sein.
Die militärischen Fähigkeiten des Irans, die lange unterschätzt wurden, zeigten eine Robustheit, die selbst Experten überraschte. Unterirdische Anlagen und kilometerlange Tunnelkomplexe machten den Iran zu einem Land, das nicht leicht zu stürzen ist.
Während Israel und die USA im Schatten des Konflikts agierten, verschoben sich die Loyalitäten: Die Bevölkerung verstand, dass sie vorrangig überleben wollte – nicht die Ideologie des Regimes. Trumps Rückzug von den Forderungen zur schnellen Abwicklung der Herrschaft führte zu einem neuen Schwerpunkt: Atomabkommen statt Befreiung.
Heute sitzen die Mullahs noch immer in Teheran, ihre Sicherheitskräfte funktionieren weiterhin, und viele führende Persönlichkeiten wissen: Für sie geht es nicht mehr um Ideologie, sondern um Überleben. Wer heute das Regime schützt, schützt sich selbst.
Die Lehre ist klar: Die Geschichte des Irans folgt ihren eigenen Gesetzen – langsamer, komplizierter und widersprüchlicher als die Schlagzeilen. Und sie fragt nicht danach, was wir uns von ihr wünschen.